PATRIZIO TRAVAGLI, GEDANKENEXPERIMENT
12.1.2008 - 23.2.2008
 

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TERQUE QUATERQUE, Lichtskulptur, 2007
 

ALEPH, Lichtskluptur, 2007

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WARPED PASSAGES, Detailansicht 8teilige Lichtskulptur, 2007

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PATRIZIO TRAVAGLI, GEDANKENEXPERIMENT
 

«Ich sehe, was Du nicht siehst!» Derart, mit diesem einfachen Kinderspiel könnte das Sprachspiel beginnen, das der Florentiner Künstler Patrizio Travagli (*1972) mit seinen Werken in Gang setzt. Und wenn das Du diese Werke gesehen hat und zum Ich spricht, kehrt sich der Satz nicht um, aber dessen Richtung: «Ich habe gesehen, was Du nicht sehen kannst!»

Um Sichtbares und Unsichtbares, um Perspektiven und Wahrheiten geht es Travagli. Nichts ist bei ihm sicher, jedenfalls nicht das, was man im Alltag gemeinhin als seine kleinen Sicherheiten zu betrachten pflegt. Das beginnt mit den Dimensionen, in denen man sich bewegt wie ein Fisch im Wasser – ähnlich unbewusst wie ein Fisch, denn im Bewusstsein sind wir in unseren vier Dimensionen gefangen, gehen die x anderen vergessen, die es, so behauptet und weist die Wissenschaft nach, ausserdem auch noch gibt. Sie gehen, nimmt man es genau, nicht vergessen, sondern entziehen sich ganz einfach unserer doch sehr – man bittet um Entschludigung -– beschränkten Vorstellungskraft.
Viele voreilige Gewissheiten bestimmen unsere Wahrnehmung. Travagli hintergeht sie, er unterläuft diese Sicherheiten. Seine Kunst ist eine, die nicht nur das Unsichtbare sichtbar macht, wie das Klee postulierte, Travaglis Kunst macht das Sichere unsicher – aber nicht so, dass er einen die Lust nähme, im Gegenteil: Er reizt die Neugierde, sich auf unsicheren Boden zu begeben.
 
Etwa, indem er einen Menschen versiebenfacht. Oder indem er das Vertrauen unterläuft, das gegenüber Bildern besteht: Er zoomt die hoch perfektionierte Videokamera so nahe auf unscheinbare Dinge wie ein Buch oder einen Bildschirm, dass die Kamera zu rotieren beginnt und, um uns in ihrer Verwirrung doch noch ein Bild zu produzieren, letztlich ein falsches Bild konstruiert.

Was wahr und was falsch ist, was subjektiv oder objektiv gegeben, was Wirklichkeit und was deren Konstruktion ist: All das sind Fragen die ins Feld der Philosophie gehören. Travagli nennt denn seine Konzeptionen auch «Gedankenexperiment». Er nimmt Fragestellungen auf, die die Philosophie ebenso beschäftigen wie die Physik. Aber er illustriert diese Fragestellungen nicht, sondern formt sie um, lässt sie zu Bildern werden, zu Bildspielen, zu eindrücklichen Erfahrungen. Eine von diesen Erfahrungen ist die des Sokrates: «Ich weiss, dass ich nichts weiss.» Beim alten Sokrates war das der Beginn der Erkenntnis. Eva meinte, dafür einen Apfel essen zu müssen. Travagli bietet uns andere Möglichkeiten.

Konrad Tobler


Zum Künstler

Patrizio Travagli schliesst sein Studium an der Accademia delle belle Arti di Firenze 1993 ab. Danach macht er mit Ausstellungen und Preisen im In- und Ausland auf sich aufmerksam. 1999 gewinnt er den Preis „Torino incontra l’arte“, 2001 „undertrenta“ und 2000 sowie 2001 den wichtigen Preis „Targetti Light Art Award“. Besonders hervorzuheben sind seine Gruppenausstellungen im Chelsea Art Museum, New York, MAK Museum, Wien und im Museum of Architecture – MUAV, Moskau. Weiter präsentierte die Galerie MADONNA#FUST Travaglis Projekt „Warped Passages“ an der ersten internationalen zeitgenössischen Kunstmesse in Dubai – DIFC Gulf Art Fair. Travaglis Werke sind unter anderem in folgenden Sammlungen: Carlo & Rosella Nesi, Targetti Light Art Collection, AAM Privatbank.

BIOGRAFIE PATRIZIO TRAVAGLI (PDF)

 

 

MARCEL MEURY, ROOM RG 14
12.1.2008 - 23.2.2008
 

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GITTERSCHRANK, 2007
C-Print

 

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TÜRE IM RÜCKEN, 2006
C-Print

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MARCEL MEURY, ROOM RG 14
 

Marcel Meury (*1975) arbeitet in einer reduzierten künstlerischen Sprache, hat sich dabei jedoch nicht auf ein bestimmtes Medium festgelegt. Auch thematisch ist sein Werk offen genug, um verschiedene Interpretationen zuzulassen, obwohl sich Schwerpunkte bilden: Ob er fotografiert, seinen eigenen Körper einsetzt und das ganze auf Video bannt oder neuerdings installativ arbeitet, der Körper mit seinen physischen und emotionalen Konnotationen in Bezug zu seiner konkreten Umgebung ist stets präsent.

„Camera Obscura“ heisst zum Beispiel eine Arbeit, in der dies zum Vorschein kommt: eine Person ist zu sehen – oder vielleicht besser, zu erahnen, denn die Umrisse sind manchmal nur schattenhaft zu erkennen, verschwinden oder tauchen erst auf – in verschiedenen Umgebungen und ganz einfache Tätigkeiten ausführend: in einem Zimmer, dessen Wände mit Zeitungen ausgekleidet sind, am Boden kauernd, im selben Zimmer liegend auf einer Matratze, an einem Seil hängend, lesend in einem Dachstock, draussen zwischen gleichförmig rechteckigen, wie Grabsteine aussehenden Blöcken kniend. Der Künstler lotet sozusagen den Raum aus, indem er verschiedene Stellungen darin und dazu einnimmt. Beim Betrachten dieser Bilder schleicht sich jedoch auch ein Gefühl leiser Beklemmung, Ausweg- und Sinnlosigkeit, ja des Absurden, ein. Tatsächlich geht es Meury nicht nur um die Frage des Verortetseins im Raum, sondern um die Erfahrung einfachster Lebenssituationen, die jedoch an ganz existentielle Grenzen stossen können. Sei es, dass er in seinen Videos in einer endlosen Bewegung mit dem Kopf gegen einen Baumstamm stösst, mit einer zwischen den Zehen seines Fusses steckenden Gabel Reis von einem Teller offensichtlich in den nicht sichtbaren Mund schaufelt, auf einer Geröllhalde den Hang hinaufklettert, einen Stein rollend, oder sich in Cellophan einwickelt: der Schmerz ist ganz nah.
 
Etwas Gewaltsames und Schmerzhaftes, das scheint auch die begehbare Installation, die Marcel Meury im Projektraum der Galerie einrichtet, zu vermitteln. Diesmal verzichtet er auf den Einsatz des menschlichen Körpers, obwohl die körperliche Assoziation sehr wohl vorhanden ist und die Arbeit wie eine natürliche Weiterführung seines Themas des Körpers im Raum erscheinen lässt. Jedoch, wie alle Arbeiten des Künstlers, auch dieses Mal offen genug, um andere Assoziationen zuzulassen. Nicht umsonst wird der Betrachter hier direkt in das Werk miteinbezogen.
 
Sylvia Rüttimann
 

Zum Künstler

Marcel Meury (*1975) liess sich von 1992 bis 1996 zum Fotografen ausbilden. Danach arbeitete er zuerst als Assistent für verschiedene Fotografen, war als Locationscout für Werbe- und Modefotografie tätig und schliesslich als selbständiger Fotograf und Künstler, wobei von 2001 bis 2003 mit Standort Berlin. Seit 2006 besucht er die Zürcher Hochschule der Künste mit Vertiefung Bildende Kunst (Bachelor of Fine Arts). Seine fotografischen Arbeiten wurden ausgestellt und in diversen Magazinen veröffentlicht, so zum Beispiel in „Hochparterre“ und „Wallpaper“, aber auch als freischaffender Künstler hat er sich schon einen Namen gemacht. 2006 hatte er eine Ausstellung in der Zürcher Galerie Widmer & Theodoridis contemporary, 2007 wurde sein Video „Der mit dem Baum wankt“ für ein Kunst-am-Bau-Projekt im Stadion Letzigrund Zürich ausgewählt. Marcel Meury lebt und arbeitet in Zürich.

BIOGRAFIE MARCEL MEURY (PDF)

 

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